AMA - Marketing
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Heiße Ohren am Bio-Wissensmarkt

Besser essen, besser wissen

Das war wirklich spannend! Bei der jüngsten Ausgabe des Bio-Wissensmarkts war hautnah zu spüren, was Bio möglich macht: die Lust neue Wege zu gehen und die Leidenschaft für naturnahe Produkte. Denn hinter Bio stehen nicht nur die Verordnungen, die regeln, was Bio ist – es braucht auch Menschen, die mit ihrem Wissen und ihrer Energie dafür sorgen, dass Bio auch gelebt wird. 15 solcher Expertinnen und Experten waren eingeladen, am Bio-Wissensmarkt von ihren Herzensprojekten zu berichten. Wir waren dabei und können bestätigen: Diese Leidenschaft war in höchstem Maße ansteckend!



Aber zuerst noch eine Frage zum Veranstaltungsformat: Was bitte ist ein Wissensmarkt? Angekommen in der Kunsthalle Exnergasse ließ sich das bereits erahnen, denn das räumliche Szenario erinnerte an einen – noch leeren –Marktplatz. 15 Objekte waren dort im Raum verteilt, wo später die Expert/innen reden würden: von Milchkanne und Zuckerrübe über Brotkiste und Graspflanze bis zu Reis und Bodenproben war alles und noch mehr dabei. 

Kuratiert vom FiBL, dem Wiener Forschungsinstitut für biologischen Landbau, würde an diesen Ständen in drei Fragerunden mit Wissen ‚gehandelt‘ werden. Schwer fiel allein die Auswahl: Sollten wir mit dem Ökologen Paul Axmann den Bio-Paragraphen entstauben oder uns von der biodynamischen Müllerin Lisa Dyk ins Kornmassen-Messen einweihen lassen? Das Geheimnis des Steinmehls im biologischen Landbau mit dem Bodengesundheitsexperten Peter Gockel lüften? Dem Kabarettisten Thomas Maurer beim Bio-Textanbau lauschen? Mehr über pannonischen Bio-Reis und Insektenvielfalt lernen oder dem Duft von Bio-Urlaub und Bio-Schmalz folgen?



Mit einem Gongschlag ging es los: Die Expert/innen nahmen ihre Plätze ein und wir neugierigen Besucher/innen strömten zu den Wissensquellen. Für uns sollte es ein Milchthemenabend werden…

Wusstet ihr, dass Getreide Kühe schwerer und größer macht und ihre Milchleistung erhöht, aber nur in Maßen von ihnen genossen werden darf, weil ihnen sonst der Pansen übersäuert? Von den Fähigkeiten der Kuh im Allgemeinen und der Grasmilch im Besonderen berichtete Paul Ertl, Biobauer und Nutztierwissenschafter. Denn Wiederkäuer können etwas ganz Besonderes: Im Gegensatz zu uns menschlichen ‚Allesfressern‘ bauen Kühe sich ihre eigenen Aminosäuren mit Hilfe der Bakterien in ihrem Verdauungssystem – und machen aus Zellulose Energie. Gras mit seinem über das Jahr steigenden Gehalt an Rohfasern sei daher ideales Hauptfutter für Kühe: Da kommt diese angeborene Fähigkeit der Wiederkäuer nachhaltig zum Tragen – und auch die Grasmilch schmeckt hervorragend. 



Zweite Runde, zweites Glück: Heinz Gstir ließ uns olfaktorisch eindrucksvoll die Besonderheiten der Bio-Käse erleben. Um aber zu so einem guten Veredelungsprodukt zu kommen, muss man auch ein gutes Ausgangsprodukt – nämlich gute Milch – haben. Dabei äußerte sich Stir ganz unverblümt und auf den ersten Blick unromantisch: „Die Milch ist das wertvollste Drüsensekret bei jedem Säugetier.“ Und damit es seinen Kühen gut geht, setzt Gstir auf Bewegung im Gelände und, wie Ertl, auf gutes, ihrem Umfeld entnommenes Futter. Als Bio-Pionier der ersten Stunde hat Gstir dabei auch Visionen für eine autarke Landwirtschaft. 



Um den Milchreigen voll zu machen, wollten wir nun noch bei Stadtkäser Johannes Lingenhel vorbeischauen – leider zu spät, alle Plätze waren vergeben. Gleich daneben lockte aber das Bankerl von Bio-Zuckerrüben-Experten Otto Gasselich. Für die Zuckerrübenbauern war es ein herausforderndes Jahr: Der Rüsselkäfer bedrohte die Ernte von konventionellen wie Bio-Bauern. Dabei ist die Zuckerrübe grundsätzlich eine der leistungsstärksten Kulturpflanzen in Europa. Was macht man noch mit Zuckerrüben außer Zucker? Allerhand: Strom aus Biogasen, Melasse, und Tierfutter – wobei sich die Haltungsgebiete von Kühen mit den Anbaugebieten der Zuckerrübe in der Praxis oft nur wenig überschneiden.



Auch diese dritte Runde ging nun viel zu schnell zu Ende – wir nahmen außer glühenden Ohren vom Lauschen vor allem eines mit: Bio ist nicht nur eine Sache des Herzens, sondern vor allem eine des Wissens. Um so zu landwirtschaften, muss man sich viel Sachkenntnis aneignen und dicht in Kontakt mit Pflanze, Tier und Boden sein. Dass dabei die Leidenschaft für Bio noch weiter zu steigen scheint, ist ein überzeugender Nebeneffekt. 

Zum Abschluss gab es noch ein Gruppenfoto - vielen Dank allen, die dabei waren!

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