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Unsere Urban-Gardener:

Stephanie braucht keine Philosophie!

Wir stellen euch die TeilnehmerInnen des Urban-Gardening-Wettbewerbs vor. Stephanie Scheiber hat auf ein paar Quadratmetern eine Möglichkeit entdeckt, Reste alten Schulwissens anzuwenden. Doch dazu braucht sie keine Mission und schon gar keine Aufregung.

Da war doch was:

Ob der Erwerb von Gartenkräutern im urbanen Raum einen schon zum Stadtgärtner macht, darf umstritten bleiben, doch für Stephanie hat so alles angefangen. Wie selbstverständlich hat sie einen Kräuterstock nach dem Kauf aus dem (wie so oft) viel zu kleinen Topf „befreit“.

Das Kraut, die Minze im konkreten Fall, hat das als Anlass zum Wuchern genommen und Stephanie ist plötzlich ihre einschlägige Schulbildung eingefallen: „Das habe ich doch alles eigentlich schon einmal gelernt“, habe sie sich gedacht und vor drei Jahren beschlossen, einmal auszuprobieren, was sie so alles wachsen lassen kann.

Fundament aus Schulzeiten:
Früher, als sie in der Landwirtschaftsschule das Fundament für ihr jetziges Vorhaben vermittelt bekommen hat, war sie zwar durchaus interessiert, wollte ihre Freizeit aber lieber im Freibad als beim Gärtnern verbringen.

„Aufgewachsen bin ich schon in einem Haus mit Gemüsegarten. Aber wie allen Jugendlichen war mir das zu mühsam, mit der Mama im Garten zu arbeiten, wenns draußen heiß war“, erklärt sie.

Das Wissen von damals ist nur mehr diffus vorhanden, doch das Grundverständnis hilft dabei, einzuschätzen, die Brauchbarkeit von Ideen und Tipps einzuschätzen. In ihrem Herkunftsbundesland Tirol hat sie auch noch ein paar gärtnernde Freunde, mit denen sie Tipps und Tricks austauscht.

Grün und gelb geärgert:
Noch bevor sie richtig losgelegt hat, hat sich Stephanie ein wenig Fachliteratur besorgt, um sich einen Überblick über die Herausforderungen des Balkongärtners zu verschaffen – weil das halt so Ihre Art zu lernen sei, rechtfertigt sie sich.

Weniger theorieaffinen Hobbygärtnern empfiehlt sie, sich einfach ein paar unkomplizierte Kräuter zu besorgen und einmal auszuprobieren, wie das funktioniert, und sich von dort aus weiterzuarbeiten.
Als Misserfolg des Jahres bezeichnet Stephanie ihre Zucchinizuchtversuch: Denn das eine Pflanze allein hier nicht reicht, um die Blüten zu bestäuben, hat sie schlicht vergessen.

Nachbarschaftsneid konstruktiv genützt:
Stephanie will beim Rhythmus des Gartenjahres ein wenig mitreden: Im heurigen April sei sie, wie jedes Jahr, voller Enthusiasmus gewesen, erzählt sie, doch im Juli und August sei dieser dann schon abgeflacht, da ziehe sie keine Pflanzen mehr:

„Im August strenge ich mich nicht mehr an – was nicht von selber wächst, das ist dann hat nicht da. Da will ich nur manchmal gießen und ernten und im August und September auch auf Urlaub fahren.“

Eine besondere Herausforderung war daher, dass sie – im Gegensatz zu ihrem glückreichen Nachbarn – keinen Wasseranschluss auf ihrer Terrasse hat. Im Jahr zwei Ihrer Dachgartenbegrünung war Stephanie des täglichen Gießens überdrüssig.

Um auch einmal drei Tage wegfahren zu können, ohne Bekannte zu Gießbesuchen verpflichten zu müssen, hat sie sich ein System aus Tonkegeln installiert, die durch einen durchlöcherten Gartenschlauch von einem mit Wasser befüllten ausgedienten Mistkübel mit Wasser versorgt werden.

In einzeln aufgestellten Töpfen steckt schlicht eine volle umgedrehte Wasserflasche im Tonkegel. Die Kegel sorgen dafür, dass nicht mehr Wasser als benötigt an die Erde weitergegeben wird.

Margeriten für Margarethen:

„Das einzige Zugeständnis“ an ihr eigenes Bedürfnis, auch hübsche Blumen blühen zu lassen, seien die Margeriten, weil sie nun einmal in Margarethen lebe. Sonst baue sie eher Obst und Gemüse an. Doch Stephanie kann auch eiskalt zu ihren Pflanzen sein: Wer den Winter auf dem Balkon nicht überlebt, hat seine letzte Saison hinter sich. Nur die Erdbeeren dürfen drinnen überwintern.

Für die nächste Gartensaison wird bereits weiter geplant: Stauden, also mehrjährige Pflanzen, lautet das Motto – und zwar am liebsten welche, die Beeren tragen.
„Selber Jungpflanzen ziehen ist recht umständlich, da muss man schon ein Händchen haben. Wenn ich Gemüse möchte, werde ich in Zukunft einen Jungpflanzenmarkt aufsuchen.

Beeren locken Gießer an:

Sie beklagt, dass viele etwas den Bezug dazu verloren hätten, wie Lebensmittel produziert werden und dass es auch Arbeit braucht, damit etwas zu ernten da ist. „Die vergessen, dass die Milch nicht von der Lila Kuh kommt. Leute, beschäftigt euch einmal ein bisserl damit!“

Wenn meine Freunde, von denen einige in der Stadt aufgewachsen sind, vorbeikommen staunen die oft. Wenn wir im Sommer draußen sitzen, wird genascht, was die Töpfe hergeben. Sie finden es cool und kommen gerne, wenn ich jemanden brauche, der statt mir gießt.

Missionslos glücklich:
„Ich sitze einfach lieber wo, wo’s grün ist, als auf einem nackten Betonbalkon.
Aber ich verspüre nicht die Mission, mich mit meinem kleinen Balkongarten mit Gemüse selbst zu versorgen zu müssen, da fehlt der Platz.“

Stephanie erzählt, sie freue sich einfach, wenn im Frühling die ersten Tiere am Werk zu beobachten sind und langsam ein Sichtschutz um Ihren Balkontisch wächst. „Außerdem bietet mir der kleine Garten eine Möglichkeit, an einer weiteren Stelle auf Verpackungsmaterial zu verzichten.“

Dass man mit dem angepflanzten Gemüse einen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt leisten kann und im Hebst mal zwei Wochen lang keine Tomaten einkaufen muss, sei die Draufgabe. Das Wichtigste aber: „Vor allem macht es Spaß, nach der Büroarbeit ein wenig in der Erde zu wühlen, und man bekommt etwas für seine "Mühe!“