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Unsere Urban Gardener:

Nicole, die stoische Egoistin!

Wir stellen euch die TeilnehmerInnen des Urban-Gardening-Wettbewerbs vor. Nicole Spreitz hat diesen Sommer auch Rückschläge erlebt, doch sie nimmt’s leicht und freut sich, dass sie nach einem heißen Sommer ihren Balkon wieder zurückerobern kann.

Ein Hitzeschlag ins Gärtnergesicht:

Wir sind froh, dass die Hundstage oder -Wochen vorbei sind und es ein wenig abgekühlt hat, als wir bei Nicole in Graz ankommen. Doch die Hitze des heurigen Sommers habe ihrem Balkongarten mit ganztägiger Sonne ziemlich zugesetzt, erzählt sie.

Sie fährt auch gerne mal weg, und da die mit dem Gießen beauftragten Freunde nicht jeden Tag kommen können, sind ihre Pflanzen schon hin und wieder auf sich allein gestellt. Normalerweise kein Problem, doch hat die Hitze diesen Juli und August ihr einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Topf an Topf:
Dabei hat Nicole eigentlich vorgesorgt und sich gewappnet gefühlt: Sogenannte Tonfinger – unten geschlossene Tonrohre, die Wasser langsam und nur bei Bedarf abgeben –
und umgedrehte Glasflaschen hätten die Erde in ihrer Abwesenheit bis zum übernächsten Tag befeuchten sollen, doch heuer war das einfach zu wenig.

Online hat sie außerdem die Idee für ihre Tontürmen gefunden, wir haben nach dem Bauplan gefragt und eine unkomplizierte Anleitung erhalten:

Ein kleiner Topf wird umgekehrt in einen großen Übertopf (Nicole nimmt hierzu einen Topf mit 30 cm Durchmesser) gestellt. Eine Eisenstange wird in das Loch im kleinen Topf und gesteckt und durch Befüllen des Topfes mit Erde stabilisiert. Wenn die Stange fest steht, werden die weiteren Töpfe „aufgefädelt“.

Zwei Vorteile bestechen: Erstens kann so die Vertikale auch dort begrünt werden, wo keine Rankgitter befestigt werden sollen. Zweitens kann überschüssige Feuchtigkeit in den jeweils nächsten Topf weiter- und aus dem untersten Topf abrinnen und Staunässe vermieden werden.

Die Idee ist gut . . .
. . . doch der letzte Feinschliff hat noch gefehlt. Nicole weiß schon genau, was sie nächstes Jahr anders machen würde. „Ich habe heuer definitiv viel dazugelernt. Ich würde einen Sonnenschirm aufstellen und nicht mehr so lang auf Urlaub fahren“, scherzt sie.

Das mit dem Sonnenschirm meint sie schon ernst, in erster Linie würde sie in Zukunft bei der Auswahl der Pflanzensorten mehr darauf achten, dass sie für den sehr sonnigen Standort geeignet sind.

„Es gibt zum Beispiel Tomatensorten, die mögen einen solchen Standort. Generell müsste man auch mehr darüber nachdenken, welche Pflanze welchen Platz auf dem Balkon bekommt“, weiß sie. Und auch bei der Nutzung der Topftürme gebe es noch Spielraum nach oben: Nämlich jene Pflanzen oben anzusiedeln, die weniger Wasser benötigen, und die bedürftigeren unten.

„Probieren geht über Studieren! . . . Oder war das umgekehrt?“, fragt sie, lacht und erzählt, dass trotz einiger schwerer Verluste heuer doch einiges zu ernten war. Unter anderem Gurken, Salat, Erdbeeren und viele Kräuter hat der Balkon abgeworfen.

Gegessen wird, was aus dem Garten kommt:
Die Studentin plant einen Auslandsaufenthalt und weiß nicht, wie es mit ihren Gartenambitionen mittelfristig weitergehen wird. Im Moment sucht sie einen pflanzenlieben Nachmieter. Langfristig jedoch ist für sie klar: Irgendwann muss ein Haus mit einem ordentlichen Garten her.

Was darunter zu verstehen ist, hat die Oberösterreicherin mit kroatischen Wurzeln von ihrer Familie gelernt: Sowohl in Kroatien als auch in Oberösterreich gebe es als „Zuhause“ für sie Gärten, die ganz selbstverständlich als Nutzgärten bewirtschaftet werden und damit sei sie aufgewachsen.

In Kroatien hätten sie so große Überschüsse an Paradeisern, Gurken und Zucchini, dass sie diese laufend zu Sugo verarbeiten oder sauer einlegen. „Ich will einfach im Sommer kein Obst und Gemüse einkaufen gehen!“ – Nicole meint es ernst.  „Bei mir zuhause kaufen wir kaum Gemüse, wir essen einfach im Sommer nur dann ein bestimmtes Gemüse, wenn es im Garten wächst.“

Tradiertes Wissen:

Warum gärtnert Nicole? Ganz einfach, sagt sie, sie möchte, dass ihr Essen gut schmeckt. „Ich habe da keinen edukativen Hintergrund, sondern nur egoistische Motive, ich weiß einfach gern, wo mein Essen herkommt, wie es behandelt wurde und was drin ist.“

Wenn sie Gärtnerrat braucht, stehen ihr Eltern und fünf Geschwister zur Verfügung. „Bevor ich lang recherchiere, rufe ich meistens eine meiner vier Schwestern an, die wissen fast immer etwas dazu.“ Das Balkongärtnern sorge insofern indirekt auch dafür, dass sie ihre Geschwister öfter hört und alle in Kontakt bleiben.

Vergessenes Erd-Äpfel-Know-how:
Hört man Nicole zu, bekommt man den Eindruck, sie greift ständig auf tradiertes Wissen zurück. Als wir nach der Herkunft der Erdäpfel, die in einer Kiste in der Küche lagern, fragen, wird unsere Vermutung bestätigt:

Die seien aus dem elterlichen Garten, nur nicht gewaschen, denn eine Schicht Erde wirke wie eine zweite Haut und mache die Kartoffeln viel länger haltbar. Die im Supermarkt erhältlichen Erdäpfel seien meist schon gewaschen.

Hast du einen Garten, probiers mal mit Gemütlichkeit:

„Ich ärgere mich nicht, dass ich im Sommer nicht so viel ernten konnte. Jetzt haben sich die Pflanzen erholt, alles ist wieder grün“ freut sie sich schon auf einen Herbst, in dem sie gemütlich draußen sitzen kann.

„Ich frühstücke gerne auf dem Balkon, am Abend ist es durch die indirekte Sonne, die den Schlossberg anstrahlt, auch bis spät in der Herbst sehr angenehm.“