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Unsere Urban Gardener:

Julia macht am liebsten alles selber!

Wir stellen euch die TeilnehmerInnen des Urban-Gardening-Wettbewerbs vor. Julia Gattringer hat ihren Garten nicht, um in der Sonne zu liegen. Sie will selber ackern, selber anbauen und die Ernte dann auch selber verarbeiten. Die Endprodukte reichen von Mangoldquiche bis zu Ringelblumenshampoo.

Nur die Harten kommen in den Garten:
„Ich bin Gärtnerin, weil ich gerne mein selbstangebautes Gemüse esse.“ Kurz und prägnant lautet die Antwort, wenn Julia nach dem Motiv dafür gefragt wird, die vielen Mühen des Gärtnerns auf sich zu nehmen.

Sie und ihr Freund Robert haben früher schon eine Ackerparzelle mit sieben Freunden im 23. Bezirk bewirtschaftet. Vor zwei Jahren wurde dann eine Kleingartenparzelle im 19. Wiener Gemeindebezirk frei.

Das Auswahlverfahren, um in den Gartenverein aufgenommen zu werden, sei relativ streng gewesen. Viele Parzellen gehörten Pensionisten und die hätten schon wissen wollen, was Julia und ihr Freund mit ihrer Parzelle vorhaben, und ihnen ans Herz gelegt, den Garten auch optisch ansprechend zu gestalten.

Gärtnergenerationenrat:
Seither betreiben die beiden die Gartenpflege als gemeinsames Hobby und Ausgleich zum Bürojob – mittlerweile in Begleitung ihrer kleinen Tochter, die am liebsten unter einem der Bäume hier schläft oder in der Wiese picknickt. In Ottakring, wo Julia mit ihrer Familie lebt, seien die ruhigen Spazierwege nämlich eher spärlich gesät.

Schon im Garten ihrer Großeltern hat Julia mitgeholfen und heute konsultiert sie gerne Eltern und Schwiegereltern, wenn sie botanischen Rat benötigt. Die Bilanz des heurigen Sommers kann sich jedenfalls sehen lassen: Paradeiser, Mangold, Kürbis, Erbsen, Kohlrabi, Lauch, Brokkoli, Salat, . . . teilweise in rauen Mengen. Pastinaken kommen im Herbst noch.

Lerntyp: learning by doing:
Abgesehen von Telefonkonsultationen recherchiert Julia aber nicht lange, sondern probiert aus, was funktioniert. Sie pflanzt lieber doppelt so viel, kalkuliert die Gefräßigkeit der Schnecken ein und freut sich, wenn dann immer noch genug zu ernten übrig ist.

„Ein Garten ist unkomplizierter als ein Balkon, man muss nicht dauernd gießen, er ist widerstandsfähiger.“ Es reiche vollkommen, wenn alle zwei Tage jemand im Garten vorbeikomme.

Überhaupt, so eine Gartenparzelle könne sie „jedem nur empfehlen, um auszuprobieren, ob einem das Spaß macht. Denn ich finde es schade, dass manche sich Kleingarten anlegen und ihn dann einfach nur zum Grillen nutzen.“

Kompromisskräuter:
Ihr Freund hätte bisher bevorzugt „nur ‚Sinnvolles’“ anzubauen, gemeint sind Nutzpflanzen. Sie hätte allerdings schon gerne auch sommerblühende Blumen. Ein Kompromiss wurde schon gefunden: Ab nächstem Jahr stehen blühende Heilkräuter auf dem Plan.

Diese können auf vielfältige Weise weiterverarbeitet werden und das liegt Julia. „Wir machen gerne Sachen selber und versuchen, mit denen selbsterzeugten Sachen so weit wie möglich zu kommen. Wir versuchen, nachhaltig zu arbeiten. Die alte Hütte zum Beispiel wollten wir nicht abreißen, sondern stattdessen ein bisserl herrichten.“

Auch Samen werden nicht zugekauft, sondern die eigenen Pflanzen vermehrt: „Das hat mein Freund schon von seiner Mutter gelernt, er lässt etwa den Rucola blühen, um dessen Samen fürs nächste Jahr zu sammeln.“

Ich wünscht, ich hätt ein Huhn:

Bei der Gartenarbeit ist Julia einmal von einem sich unbemerkt von hinten nähernden weißen Huhn überrascht worden. Ein mords „Gegackere“ sei das gewesen, bis es von seiner Besitzerin wieder eingefangen und in sein Zuhause, die angrenzende Gärtnerei, zurückgebracht werden konnte. Ob es über den Zaun geflogen war oder sich unter dem Zaun durchgegraben hatte, war nicht zu rekonstruierbar.

Julia hätte gerne ein eigenes Huhn oder gleich mehrere, vor allem wegen der Eier. Aber da müsste dann doch jeden Tag jemand herkommen und das Huhn pflegen, es bleibt daher bis auf weiteres ein Wunschtraum.

Sehen und gesehen werden:
Ohne Auto ist es für Julia oft nicht leicht, Material in und aus dem Garten zu transportieren, doch unverhofft kommen immer wieder Nachbarn und Passanten zuhilfe: Baumschnitt etwa wird als Brennholz an Nachbarn verschenkt. Auch ausgegrabene Tujenwurzeln loszuwerden, hätte zum Beispiel eine Herausforderung dargestellt. Wenn nicht am Gartenzaun jemand stehengeblieben wäre, dem sie so gut gefallen haben, dass er sie gleich mit nachhause nehmen wollte.

Bei der Gartenarbeit in der an den Gehsteig grenzenden Parzelle hat sich auch schon so manche skurrile Begegnung ereignet, einmal habe eine besonders feine Dame aus dem 19ten Bezirk gefragt, ob sie Julia und ihren Freund buchen könne. Sie hätte selbst einen großen Garten.

Pflicht und Freiheit:
Manche Bekannte seien ein wenig neidisch auf den Garten, sie würden aber auch sehen, dass es viel Arbeit ist: „Wir sind fast jedes Wochenende hier. Man muss ja zum Beispiel auch Laub kehren, dafür sind wir hier mitverantwortlich. Viele Freunde kommen also am liebsten als Gäste“, gesteht Julia schmunzelnd.

Auch wenn viel zu tun ist, ist das Gartengemüse für Julia ein Stück Freiheit: Das hätte schon einen Reiz, autark zu leben.“ Nur das Internet würde ihr fehlen. „Ich fang halt jetzt mal klein an“, sagt sie lachend.

Grundsätzlich hätten sie keinen dogmatischen Zugang zum Gärtnern, sie würden einfach lieber regional und bio einkaufen, aber nicht ausschließlich.

„Man ernährt sich auch viel gesünder, wenn man einen Garten hat. Ich hab sicher noch nie so viel Gemüse gegessen, weil es einfach da ist und man es viel schwieriger wegwerfen kann, wenn so viel eigene Arbeit drinsteckt. Man geht bewusster mit den Lebensmitteln um und versucht, alles zu verarbeiten oder einzufrieren.“